[Blogtour] Menschen und Tiere als gleichberechtigte Protagonisten – von der Idee bis zum Leser

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Hallo ihr Lieben

und herzlich willkommen beim 4. Tag unserer Blogtour zu „Die Welt um Tian – Feuerwölfe“ von Sandra Daum. Gestern hat euch Charleen ja schon etwas die Protagonisten vorgestellt und daran möchte ich gerne anknüpfen, denn nachdem in diesem Buch Menschen und Tieren als gleichgestellt Protagonisten nebeneinander und miteinander existieren, war es klar, dass wir dieses Thema gerne aufgreifen wollen.

Zunächst einmal habe ich der Autorin ein paar Fragen stellen können über die Entstehung und Entwicklung, aber auch über die Schwierigkeiten dieser Idee. Danach waren wir uns noch ein wenig über die Sicht der Leser auf diese Konstellation unterhalten:

Was hat dich auf die Idee gebracht, dass du in deinem Buch Menschen und Tiere als gleichgestellte Protagonisten verwendest?

Ein Besuch in einem Tierpark, der mich nachdenklich gemacht hat und in mir viele Fragen ausgelöst hat: Wie fühlt sich ein Lebewesen, das sich nicht frei bewegen kann wie es möchte? Wie würden die Menschen in einem Zoo zurechtkommen? Würden sie sich eingesperrt fühlen oder sich an die Umstände gewöhnen? Wer würde sich, wenn es sein muss und es keinen anderen Zufluchtsort mehr gibt, mit den Tieren arrangieren, wer würde sie ablehnen und wer sich mit ihnen anfreunden? Eine wichtige Thematik in „Der Welt um Tian“ ist ja die Beziehung und der Respekt zwischen den Menschen und den Tieren. Und da lag es auf der Hand, nicht nur die menschliche Seite zu zeigen, sondern auch den Tieren eine Stimme zu geben: In dem Buch durch die eigensinnige Leopardin Iris und den klugen Gorilla Tiger. Die beiden wachsen mit Sebastian, einem Jungen, in einem Zoo auf und werden im Laufe der Zeit unzertrennlich. Sebastian, auch Tian genannt, zeigt, dass man auf die Bedürfnisse, die Gefühle und die Instinkte eines Tieres Rücksicht nehmen kann und sollte. Er steht für sie ein, wenn sie seine Hilfe brauchen und umgekehrt beschützen Iris und Tiger ihren menschlichen Freund, wenn er in Gefahr ist. Jeder von ihnen hat seine Stärken und Schwächen, keiner steht in der Hierarchie über oder unter dem anderen. Ich wollte zeigen, was neben der Liebe mit am Wichtigsten ist im Leben: Die Freundschaft. Und in diesem Fall eine, die über die bestehenden Grenzen hinaus besteht, selbst wenn sie auf Unverständnis und Intoleranz trifft.

Wie war die Umsetzung? Vor welche besonderen Probleme hat sie dich gestellt?

Sich in die Tiere hineinzuversetzen war teilweise eine Herausforderung. Wie fühlen sie, wie riechen sie, wie leben sie, was bewegt sie zu ihren Handlungen. Wie verhalten sie sich untereinander? Sind sie Einzelgänger oder leben sie lieber in einer Gruppe? Was lernen sie im Laufe ihres Lebens und was können sie, wenn sie auf die Welt kommen? Wie agieren und „sprechen“ sie mit uns Menschen. Jedes Tier hat seit seiner Geburt Instinkte, die in bestimmten Situationen zum Vorschein kommen. Mir hat zum Beispiel unsere Katze dabei geholfen, Iris besser zu verstehen und ihren Charakter aufzubauen: Ihre Mutter hat sie nach einem schweren Unwetter bei uns im Apfelbaum zurückgelassen und nur eines ihrer Jungen mitgenommen. Sie war vielleicht eine Woche alt und wir haben sie mit der Flasche großgezogen: Wir konnten ihr nicht beibringen zu jagen oder sie auf das Leben in der Natur vorbereiten, wie es ihre Mutter gekonnt hätte. Wir haben uns deswegen Sorgen gemacht, die im Nachhinein aber vollkommen unbegründet waren. Bestimmte Eigenschaften, wie das Jagen, hat sie auch ohne uns ziemlich gut gelernt, genauso wie das Leben außerhalb des Hauses. Sie lebt mit uns zusammen, begrüßt uns jeden Tag mit einem Stupser Nase an Nase. ist immer in unserer Nähe und trotzdem ist sie eine Einzelgängerin und hasst es, eingesperrt zu sein.

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Bei den Gorillas sieht es anders aus: Sie sind Gruppentiere und beschützen sich gegenseitig innerhalb ihrer Familie. Das konnte ich gut nachempfinden und hat mir bei Tilla und Tiger sehr geholfen.

Wo waren die Schwierigkeiten bei der Recherche?

Herauszufinden, wie eine Gruppe ohne große Hilfsmittel, Autos oder Flugzeug von Europa nach Afrika kommt und an welchen Hindernissen sie scheitern. Zu verstehen, wie sich die Tiere an ihre Umgebung, in diesem Fall den Zoo, gewöhnen und wie sie schließlich mit der Freiheit zurechtkommen. Tilla, das Gorillaweibchen, hat sich zum Beispiel so sehr an den Zoo gewöhnt, dass sie die Welt außerhalb ihres Hauses als Gefahr wahrnimmt. Sie fühlt sich unwohl und ist verängstigt. Iris dagegen möchte frei sein und fühlt sich eingesperrt. Sie will die Welt entdecken. Ich habe versucht, mir die Tiere außerhalb des Zoos in ihrem natürlichen Lebensraum vorzustellen. Leoparden und Gorillas in freier Wildbahn zu beobachten ist zwar durch Filme möglich, aber die geben einem nur einen kleinen Einblick in ihr Leben. Da kam ich schon das eine oder andere Mal in grübeln.

Die Dialoge zwischen den Tierarten sind ja eine Besonderheit. Was hat dir geholfen, sie möglich glaubwürdig und artgerecht hinzubekommen?

Viel über sie zu lesen und zu lernen, mir Filme und Dokumentationen anzusehen. Ich wollte die Tiere so authentisch wie möglich beschreiben. Sie haben wie wir unterschiedliche Charaktere und doch verbindet eine Art bestimmte Verhaltensweisen und Eigenschaften. Geholfen hat mir, dass sie sich weiterentwickelt haben und nun untereinander artenübergreifend miteinander kommunizieren konnten. Dadurch konnte ich in den Dialogen etwas freier sein und aus Feinden Freunde werden lassen. Eine Freundschaft zwischen einer Leopardin, einem Gorilla und einem Menschen kann man sich kaum vorstellen, auch wenn es heute schon Tierfreundschaften gibt, die einen staunen lassen. Wichtig war mir aber auch zu zeigen, dass es Grenzen gibt: Im Buch ist ein gutes Beispiel Mila, die Königsweihe: Sie hilft zwar der Gruppe, hat aber immer einen gewissen Respekt gegenüber Iris und hält Sicherheitsabstand zu ihr. Genauso wie die Hirsche. Iris ist nun mal eine Großkatze und eine gute Jägerin dazu.

Wie waren die Reaktionen deines Umfelds auf dieses Setting?

Bis jetzt habe ich positives Feedback bekommen. Ein Schüler hat mich mal gefragt, wie ich zu der Unterbringung von Tieren in Zoos denke, bevor er das Buch gelesen hatte. Grundsätzlich denke ich, dass sich jedes Tier in seinen ursprünglichen Lebensraum am wohlsten fühlt und wir uns nicht an der Erde bedienen können, wie wir wollen. Die Konsequenzen bekommen wir heute schon massiv zu spüren. Es ist aber nicht meine Absicht, Vorwürfe zu machen. Dazu hätte ich auch nicht das Recht. Wir drehen uns schließlich nicht von heute auf morgen um 180 Grad. In „Der Welt um Tian“ gibt es dazu verschiedene Positionen: viele einsichtige, aber auch uneinsichtige; Menschen, die ganz offensichtlich nichts dazu gelernt haben. Ich lasse auch die Tiere unterschiedliche Stellungen beziehen: Iris und Tiger beschützen die Menschen, die sich um sie gekümmert haben, vor den Lupes. Diese wiederum haben allen Grund die Menschen zu fürchten und auch zu hassen. Trotzdem sollte Rache nie die Lösung sein. Dazwischen stehen die Waldbewohner wie die Wölfe, Füchse und Hirsche, die wiederum von den Lupes unterdrückt werden und schließlich den Menschen eine zweite Chance geben und mit ihnen gemeinsam kämpfen.

Das war jetzt erst einmal die Autorin für uns. Aber natürlich gibt es dann auch noch die Umsetzung und die Wirkung auf die Leser.

Wenn ihr mich persönlich fragt, dann fand ich diese Umsetzung total klasse und ich habe diesen Gedanken geliebt. Dieses ungewöhnliche Setting ist einmal etwas anderes. Geschichten mit Tieren, die Menschen untergeordnet sind oder andere, wo die Tiere einfach alleine die Hauptrolle haben, kannte ich vorher schon haufenweise, aber diese Konstellation war für mich absolut neu und sicherlich einer der Gründe, warum ich das Rezensionsexemplar damals annahm.

Auch was ich von anderen Lesern gehört habe, war ein durchweg positives Feedback, was dieses Setting anging. Bei der Umsetzung gibt es dann zwar wieder auch Gegenstimmen, was den Erfolg angeht, aber nicht jede Umsetzung ist schließlich für jeden gemacht.

Für mich hat gerade diese Tiersicht an vielen Stellen eine besondere Tiefe gegeben, denn sie wären ohne diese einfach nur halb so gut gewesen, weil die Menschen sie ganz anders wahrgenommen haben.

Für den Leser, der sich darauf einlassen kann, auf jeden Fall ein Leseerlebnis der besonderen Art, definitiv gehört dieses Buch mit seinem besonderem Setting aber zu jenen, die man entweder lieben oder hassen kann.

So ihr Lieben, dass wars soweit von mir… wobei das Gewinnspiel hab ich natürlich noch für euch.

Die Welt um Tian

Zu gewinnen gibt es 1 signiertes Taschenbuch und 2 Goodieumschlag.

Um in den Lostopf zu springen müsst ihr mir nur in einem Kommentar verraten, wie euch das Konzept Tiere & Menschen als gleichgestellte Protagonisten gefällt.

Teilnahmebedingungen:
1. Teilnahme ab 18 Jahren oder mit schriftlicher Einverständniserklärung der Eltern.
2. Versand der Gewinne erfolgt ausschließlich nach Deutschland,
Österreich und die Schweiz.
3. Für den Postweg wird keine Haftung übernommen.
4. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung der Gewinne möglich.
5. Der/Die Gewinner sind im Falle eines Gewinns mit namentlicher Nennung auf den Seiten und Facebookseiten der teilnehmenden Blogs und des Autors einverstanden.

Tourplan:

4.4. Buchvorstellung  http://lesemaus87.blogspot.de/
5.4. Die Welt um Tian http://blog.claudis-gedankenwelt.de/
6.4. Die Reisegruppe http://charleenstraumbibliothek.blogspot.de/
7.4. Menschen und Tiere als Protagonisten – hier
8.4.. Autoreninterview http://phinchensfantasyroom.blogspot.de/
9.4. Gewinnerbekanntgabe auf allen Blogs

10 Responses to [Blogtour] Menschen und Tiere als gleichberechtigte Protagonisten – von der Idee bis zum Leser

  1. Jenny sagt:

    alleine nur das Konzept ist für mich so einzigartig und reißt einen sofort mit-also ich bin so begeistert das es auf meiner liste steht sollte ich kein Glück haben :-)
    Mensch und Tiere gleichzeitig und jeder doch so individuell ist-einfach toll.
    Folge auch bei FB unter Jenny Siebentaler

  2. Daniela Schiebeck sagt:

    Dankeschön für das schöne Interview.
    Mir gefällt das Konzept sehr gut, ist mal was richtig anderes und was sehr erfrischendes.

    Liebe Grüße,
    Daniela

  3. Margareta Gebhardt sagt:

    Hallo ,

    Das Konzept Tiere & Menschen als gleichgestellte Protagonisten gefällt sehr gut , es ist mal was anderes und ich glaube
    das das macht die Geschichte spannend .

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt

  4. Monja Freeman sagt:

    Huhu Sabrina,
    wow, die Fragen und Antworten waren echt klasse. Das inspiriert mich noch mehr, dieses Buch zu lesen und ich pack es mir gleich auf meine Wunschliste.
    Ich find die Idee, Tiere und Menschen in einem Buch gleichgestellt agieren zu lassen, echt super. Sowas kennt man eigentlich nur aus dem Dschungelbuch und aus sehr wenigen anderen Büchern. Kennt ihr die Serie ZOO? Hier wandeln sich die Tiere durch eine genetische Veränderung und greifen Menschen an, das heißt, sie werden mit der Zeit immer übergeordneter. Das war auch sehr interessant. Oder der Film Der Zoowärter, wenn auch eine Komödie, doch sehr gut gemacht, mit den Tieren und Menschen als Protagonisten. Ich auf alle Fälle, bin sehr gespannt auf dieses Buch!
    Viele Grüße
    Monja
    Nefertari191174@web.de

  5. Mimi Sipek sagt:

    Hallo
    Danke für Deinen schönen Beitrag.
    Ich muss sagen mir gefällt’s :-)
    Als absoluter Tiernarr finde ich es wirklich super das Tiere einen grossen Hauptanteil an der Geschichte haben. Ich freue mich schon sehr darauf mich in die Geschichte zu stürzen…….
    Viele liebe Grüsse
    Mimi

  6. Nala's Bücherblog sagt:

    Hi :)

    ich finde diese Idee total spannend!
    Ich liebe Tiere und lese gerne Bücher über Tiere, aber so ein Setting, dass sie mit Menschen gleichgestellt werden hatte ich ehrlich gesagt noch nie gesehen. Das macht mich natürlich neugierig!

    Liebe Grüße
    Nala

  7. Sarina Ziemann sagt:

    Ich finde die Idee auch total super. Da ich eh ein riesen Tierfan bin und auch Geschichten wahnsinnig gerne lese, in denen Tiere im Mittelpunkt stehen, wäre das Buch absolut etwas für mich :)

    Viele liebe Grüße,

    Sarina

  8. Kerstin sagt:

    Hallo Sabrina,

    eine echt gelungenes Interview und mir sagt das Setting auch sehr zu. Es ist wirklich einmal etwas ganz anderes, denn wie du sagst, dass Mensch und Tier gleichgestellt sind, gibt es nicht in vielen Geschichten. Also Hut ab vor Sandra und ihrer Idee. Ich werde mir das Buch wahrscheinlich holen, sollte ich es nicht gewinnen.

    LG
    Kerstin

  9. Das ist ein schönes Interview.

    Tiere und Menschen gleichberechtigt – wow.
    Das ist eine super Idee und deswegen würde ich gern für Monja gewinnen wollen, denn sie ist ne ganz liebe.

    Liebe Grüße

    Janine Groß

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